PFARRGEMEINDE ST. MICHAEL DINGELBE

 

Bereits im 3. Jahrhundert wird das Bestehen der ostfälischen Dorfgemeinschaft Dingelbe im sächsischen Gau Astfala, dem späteren Kernstück der Diözese Hildesheim vermutet.

 

Mit der Missionierung der Sachsen gelangte der christliche Glauben nach Dingelbe.

 

Erste urkundliche Nachrichten über die Ortschaft mit der früheren Namensform "Elvethi", "Elvede" und "Elvethe" stammen aus den Jahren 1132 und 1151. Im 13. Jahrhundert wurde die Ergänzung des Ortsnamens "Elvede bei Nettlingen" üblich (Abgrenzung zu den Ortschaften Gr. und KI. Elbe im Wolfenbüttelschen).

Neben dem Domkapitel, dem Kreuzstift, dem Moritzstift, dem Michaeliskloster, dem Magdalenenkloster und den Rittern von Saldern hatte die Hildesheimer Bürgerfamilie von Harlessem Grundbesitz in Dingelbe. Eine besondere Bedeutung hatte in der Ortschaft der Erbschenkenhof, der mit dem seit 1151 bestehenden bischöflichen Erbschenk- bzw. Mundschenkenamt verbunden war. Erbschenkenamt und Erbschenkenhof gelangten 1294 in den Besitz der Familie von Cramm, 1589 in den Besitz der Familie von Veltheim.

Die zentrale Lage des Ortes am Handelsweg Hildesheim - Braunschweig und Hildesheim - Halberstadt wurde vermutlich zur Voraussetzung des Landesthing in Dingelbe, den Bischof Konrad II (1221 - 1246) als Gerichtstag für das Bistum Hildesheim am 7. Oktober 1232 hielt.

 

Kirchlich gehörte Dingelbe zum Archidiakonat Nettlingen, das durch Bischof Godehard ( 1022 - 1038) gegründet worden war. Die Nettlinger Archidiakonatskirche St. Marien war somit Taufkirche der Gemeinde.

Für das Jahr 1371 wird ein Priester im Ort genannt, für dessen Lebensunterhalt und die Erhaltung der kirchlichen Gebäude die Pfarrgemeinde sorgen mußte. Nachrichten über den ersten Kirchbau in Dingelbe fehlen, ein Kirchenbau im Ort ist aber vermutlich für das 12. - 13. Jahrhundert anzusetzen. Das Kirchenpatrozinium St. Michael steht in Verbindung zur germanischen Vergangenheit des Ortes, da der Erzengel den Schutzherrn der Christen gegen das Heidentum symbolisiert.

 

Nach der Hildesheimer Stiftsfehde ( 1519 - 1523) , die im Quedlinburger Rezeß ihren Abschluß fand, blieb Dingelbe im Amt Steuerwald unter bischöflichem Einfluß und somit katholisch. Die konfessionellen Verhältnisse des Ortes änderten sich jedoch ab 1557 unter der Leitung des Amtes Steuerwald durch den ev. Herzog Adolf von Holstein. Der Hildesheimer Bischof Friedrich von Holstein (1551 - 1556) hatte seinem Bruder auch das Amt ,Steuerwald verpfändet. Herzog Adolf von Holstein führte nach dem Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens von 1555: "cuis regio eius religio" auch die Reformation im Stiftsdorf Dingelbe ein. Dabei kann auch der Einfluß des luth. Fürstenhauses in Braunschweig nicht ausgeschlossen werden

 

Im Jahr 1557 wird der damalige kath. Pastor von Dingelbe, Joh. Hartmann, durch die Beauftragten der ev.-luth. Kirchenvisitation abgesetzt und der luth. Pastor Heinrich Schulze mit der Seelsorge beauftragt.

Über 40 Jahre lang wurde die Pfarrei durch einen ev. Pastor betreut.

Im Jahre 1564 war das Amt Steuerwald unter die Oberhoheit des Fürstbischofs von Hildesheim zurückgekehrt. Daraufhin wurden in der Regierungszeit Fürstbischofs Ernst II. (1573 - 1612) einige ev. Ortschaften im Stift Hildesheim wieder rekatholisiert. Nachdem vom Fürstbischof 1589 angeordnet war, die nicht besetzten Pfarrstellen nur an kath. Bewerber zu verleihen, wurde die Pfarrstelle in Dingelbe 1609 mit dem kath. Pastor Curt Friedrich aus Adlum besetzt; er wurde Karfreitag 1509 vom Amtmann des Amtes Steuerwald in Dingelbe eingeführt. Im Laufe des 17. Jahrhunderts festigte sich der kath. Glaube wieder. Auch im 17. und 18. Jahrhundert hatten die Archidiakone von Nettlingen entscheidenden Einfluß auf die Dingelber Pfarrgemeinde. So wandte sich zum Beispiel im Jahre 1665 der damalige Archidiakon und Domkapitular von Nettlingen mit einer Zinserhebung an die Bauern des Ortes, um die baufällige Pfarrkirche renovieren zu können. Wegen der damaligen schlechten wirtschaftlichen Lage der Landbevölkerung allgemein, sie mußte die Pfarrkirche erhalten - ein Patronatsrecht gab es nicht - konnten die erforderlichen Kirchenrenovierungen nur in bescheidenen Maße durchgeführt werden.

In den Jahren 1785 - 1789 wurde, nach dem Abbruch der bisherigen Fachwerkkirche, das Längsschiff der heutigen Pfarrkirche erbaut. Durch die Hand- und Spanndienste der Bauern und mit Hilfe des Nettlinger Archidiakons konnte 1786 der Bau soweit abge­schlossen werden, daß er benutzt werden konnte. Am 26. September 1789 wurde die neue Pfarrkirche feierlich eingesegnet.

 

Die wirtschaftliche Situation der Landbevölkerung besserte sich seit den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts durch die möglichen Ablösungen der Grundlasten, durch die von 1845 - 1853 durchgeführte Verkoppelung und durch Verlagerung des landwirtschaftlichen Anbaues auf den Anbau von Zuckerrüben und Weizen. Auch der Bau der Zuckerfabrik 1872/73 wirkte sich auf die Situation günstig aus. Auch in der Pfarrgemeinde konnten jetzt verschiedene Vorhaben verwirklicht werden.

 

1842 bekam die Kirche eine Orgel, zwischen 1833 und 1866 drei Glocken. 1625 wurde bereits eine Schule in Dingelbe urkundlich erwähnt; sie wurde nur von Jungen besucht; die Erziehung der Mädchen lag in den Händen der Mütter und der Verwandtschaft.

 

Die Schulschwestern aus dem 3. Orden des Hl. Franziskus richteten 1866 eine Mädchenschule in Dingelbe ein. Das preußische Klostergesetz des Kulturkampfes zwang jedoch 1875 die Schwestern, die Schule aufzugeben und den Ort zu verlassen. In der Schule waren zuletzt 70 Mädchen unterrichtet worden.

 

Ein Kirchenanbau wurde 1899 durch die weiter steigenden Einwohnerzahlen notwendig.

 

1917 kamen die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz van Paul in den Ort. Im St. Michaelsstift betreuten die Schwestern kranke Gemeindemitglieder und unterrichteten, neben ihrer Leitung des Kindergartens, auch in einer Näh- und Kochschule.

 

Während der nationalsozialistischen Zeit wurde der Religionsunterricht in den Schulräumen verboten und 1942 die kath. Bekenntnisschule aufgelöst.

 

Nach dem 2. Weltkrieg gelangten mit dem Flüchtlingsstrom 640 Heimatvertriebene nach Dingelbe. Nur wenige fanden zunächst in der Zuckerfabrik und in den Betrieben im Ort eine Beschäftigung. Trotz des geringen Arbeitsplatzangebotes setzte die Abwanderung aus dem Ort erst in den 5Oer Jahren ein.  

Mit der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse nahm die Anzahl der Pendler im Ort erheblich zu. Im Jahre 1961 waren bereits 42% der Arbeitnehmer Auspendler in die Betriebe der umliegenden Städte.

 

Politisch gehört Dingelbe seit 1974 zur Einheitsgemeinde Schellerten; kirchlich war die Zugehörigkeit der Pfarrei St. Michael wechselnd struktuiert. Vom Archidiakonat Nettlingen ausgehend wurde die Pfarrei 1760 in den Borsumer und 1808 in den Dinklarer Zirkel gelegt. Mit der Dekanatsordnung von 1838 gelangte sie in das Dekanat Peine, 1938 zum Dekanat Borsum-Dinklar.

 

Seit l. Juli I999 bildet die Pfarrgemeinde St. Michael mit den Pfarrgemeinden Nettlingen und Wöhle eine Seelsorgeeinheit, die Pater Alfons Nillies OFM als Pfarrer betreut.

 

 

Einzelheiten aus der Statistik der Pfarrgemeinde:

           

KIRCHE            Erbaut 1785 - 1789, Baustil Neuromanik                                    

Wehrturm erbaut um 1470.            

Umgestaltung des Innenraumes 1976 - 1977                        

Konsekration des neuen Hauptaltares 23.10.1976                        

durch Weihbischof Heinrich Machens                        

Kreuzwegbilder etwa 1897            

PFARRHAUS            Neu erbaut 1889            

EINRICHTUNGEN                        

Kath. Kindertagesstätte St. Michael (Rechtsträger Kath. Pfarrgemeinde)

besucht von 62 Kindern aus den Ortschaften Dingelbe, Wöhle, Schellerten und             Bettmar.            

Kath. Öffentliche Bücherei St. Michael

 

KIRCHLICHE VEREINIGUNGEN

Kath. Arbeitnehmerbewegung (KAB) Kath. Frauenbund

Spielkreis Mütter u. Kleinkinder

Kindergruppen "Michi-Mäuse" und "Kirchen-Mäuse" Sing- und Instrumentalkreis St. Michael

Quellen: Handbuch des Bistums Hildesheim 1993 Festschrift "200 Jahre St. Michael Dingelbe" 1986.